Wirtshaus Rössli in Adligenswil

Der Gasthof Rössli hatte viele Funktionen zu erfüllen und war so etwas wie ein Mehrzweckhaus. Nebst der Verabreichung von Speis und Trank sowie der Beherbergung, diente es auch den Einheimischen. Mit der Eröffnung des Wirthauses bekam Adligenswil einen Treff um zu politisieren und diskutieren, Geschäfte abzuwickeln, zu trauern aber auch zu festen. Hier hielt die Gemeindeverwaltung ihre Sitzungen und die Geschworenen ihre Versammlung ab. Der Adler/Rössli war somit etwas wie das Gemeindehaus. Das Gasthaus hatte zeitweise auch die Funktion eines Postgebäudes.

Seit Bestehen des Wirthauses war man bemüht, den Anforderungen einer zeitgemässen Bewirtung möglichst zu entsprechen und den kulturellen Bedürfnissen der Bewölkerung von Adligenswil Rechnung zu tragen.

1770

Am 29. Januar erwarb Felix Mattmann zu einem Preis von 750 Gulden Teile der Liegenschaft Deüfmadt.

 1772 Am 1. des Weinmonats verkaufte Felix Mattmann seinen Teil an Balz Sidler aus Adligenswil zu einem Preis von 1'572 Gulden.
1772
Am 18. des Weinmonats ersuchte Balz Sidler „die gnädigen und oberen Herren des täglichen Rats“ in aller Untertänigkeit um die Erteilung eines Tavernenrechts, da es in Adligenswil noch kein Wirtshaus mit Uebernachtungsmöglichkeit gebe. Für die Erteilung des Tavernenrechts wurden dann 200 Gulden als Steuer (Sitzungsgeld) und 50 Gulden Kanzleigebühr erhoben.
1784
2. März erwarb Kirchherr Kaspar Fluder für 3'824 Gulden von Balz Sidler die Liegen-schaft Teufmatt mit Wirtshaus.
1799
21. Oktober, stellte die Munizipalität Adligenswil dem Kaspar Fluder, Besitzer des Wirtshauses, eine einwandfreie Führung des Wirtshauses soweie die pünktliche Bezahlung der Steuern, aus und man dem Wirt auch weiterhin den Ausschank von Wein, Bier und Most gwähren solle.
1807
2. Mai, verkaufte Kaspar Fluder seinen Anteil am Sässhaus (vis à vis Adler /Rössli) an Joder Bucher.
1808
5. März, Gesuch die Verlegung des Tavernenrechts vom Wirtshaus Adler ins benachbarte Sässhaus mit der Begründung, dass der Pfarrherr nicht selten vom unvermeidlichen Lärm in der nötigen Ruhe gestört werde. Diesem Gesuch wurde am 28. März 1808 stattgegeben. Jedoch opponierte die Gemeindeverwaltung gegen diese Verfügung.
1814
bis 1911 wurden die Gemeinde- und Bürgerversammlungen im Rössli abgehalten. 1911 bis 1950 wurden die Versammlungen dann ins Schulhaus verlegt.
1831
Am 20. Hornung, erwarb Xaver Bolzern von Kriens das Wirtshaus von Balz Sidler. Am 14. März 1831 schrieb Bolzern in einer Bittschrift an die Regierung, dass das Wirten im Haus Teufmatt stattfand und dass sich dieses Wirtshaus viel besser eigne als das alte Sässhaus.
1831
18. März, wurde das Tavernenrecht wieder auf das ursprüngliche Wirtshaus übertragen.
1852
2. Juni, nahm der Gemeinderat einen Augenschein vor, weil Balz Sidler den Dachstock und das Holzwerk am 79 jährigen Haus sanieren wollte.
1911
Wurde Führung der Post offiziell dem damaligen Rössliwirt Josef Bieri-Zemp übertragen.
1916
4. Dezember, 21.00 Uhr, Feueralarm mit den Kirchenglocken und dem Feuerhorn. Der Dachstock des Rössli brannte lichterloh. Ein Totalschaden konnte vermieden werden.
1922
Anbau eines modernen Saales mit Theaterbühne
1947
Erwarb Franz Sigrist-Galliker das Haus und liess Teile des Hauses abtragen und Gästezimmer in Holz wieder aufbauen.
1950
Bis 1969 wurden die Gemeindeversammlungen wiederum im Saal des Gasthof Rössli abgehalten.
1961
Erwarb Alfred Theiler die Liegenschaft. Er erbaute eine neue und moderne Restaurationsküche.
1964
Wurde Oscar Meyerhans von Alfred Theiler angefragt die soeben geschlossene Wirtschaft (Konkurs des Pächters), wieder zu eröffnen. Der kaum 24 Jährige erklärte sich für ein Jahr bereit. Daraus wurden 2, 3 Jahre und Marie-Louise Bättig von der Metzgerei Bättig im Maihof unterstützte den jungen Wirt tatkräftig.
1967
Erhielt das Ehepaar Meyerhans-Bättig die Gelegenheit das Haus von Alfred Theiler zu fairen Bedingungen zu kaufen. Im Laufe der Jahre wurde die Fassade erneuert, die Jalousien erhielten die typische Bauernmalerei, der Saal bekam seinen heutigen Glanz und darunter wurde in monatelanger Schwerarbeit unterkellert, wo heute sich der Weinkeller befindet.
1995
Übergab Marie-Louise und Oscar Meyerhans-Bättig, das mittlerweile stolze und gepflegte Haus an ihre Tochter Susy und an den Schwiegersohn Markus Sager-Meyerhans. Seit dieser Zeit wurde die Küche vollumfänglich erneuert, die Gasträume den stetig ändernden Bedürfnisse angepasst, 2008 erhielt das Haus eine Brandmeldeanlage und aktuell werden die Zimmer von 1947 wiederum den heutigen Bedürfnissen angepasst.


Die vollständige Geschichte mit vielen Details zur Geschichte können Sie als PDF nachlesen.

Die Adligenswiler Orts- und Gemeindegeschichte


 

Unser Dank gebührt aufs herzlichste Hans Meier, alt Gemeindeammann von Adligenswil, welcher in minuziöser Kleinstarbeit im Staatsarchiv das noch vorhandene Material gesichtet hat und aufgearbeitet hat.